Nicht alle Banken über einen Kamm scheren

29. Juni 2017

Marl/Recklinghausen (eph). Keine Gleichbehandlung von großen und kleinen Banken bei der Umsetzung von Vorschriften. Diese Forderung hat jetzt Olaf Kilimann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Marl-Recklinghausen eG, auf der Vertreterversammlung seines Instituts im Festspielhaus Recklinghausen gegenüber der Bankenaufsicht erhoben. Gerade kleinere Banken wie das eigene Institut und die Vielfalt im Bankensektor leisteten, so Kilimann, einen entscheidenden Beitrag zur Stabilität des Systems und zur Kreditversorgung. Dies dürfe nicht durch eine Regulierung und eine Aufsicht aufs Spiel gesetzt werden, in der große und kleine Banken über einen Kamm geschoren würden.

Andreas Geilmann-Ebbert (Vorstand), Johannes Oeldemann (Aufsichtsratsvorsitzender), Martina Rütter, August Hermann Rütter, Olaf Kilimann (Vorstandsvorsitzender)

Neben der ständig zunehmenden Regulatorik sind es die anhaltenden Niedrigzinsen und die fortschreitende Digitalisierung, die die Banken aktuell vor große Herausforderungen stellen. Diese drei Trends, so Kilimann, gelte es für die Weiterentwicklung der Bank zu beachten. Ein Zusammenschluss zu einer größeren Einheit ist für die Volksbank Marl-Recklinghausen eG dabei aktuell keine Handlungsoption. Kilimann: „Grundsätzlich stehen wir dem Thema ‚Fusion‘ zwar positiv gegenüber. Wegen der Einführung einer neuen IT im Jahr 2019 und der nach wie vor gesunden Unternehmenssubstanz halten wir den Zeitpunkt dafür aber noch nicht für gekommen.“

„Insgesamt zufrieden“ äußerte sich Kilimann zum Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres. Die Volksbank Marl-Recklinghausen eG habe vor allem bei den Geschäften mit ihren Verbundpartnern ihren Wachstumskurs fortgesetzt. Im bilanziellen Bereich sorgte die gestiegene Kreditnachfrage für Wachstumsimpulse. Knapp unter dem Vorjahresniveau lagen dagegen die Kundeneinlagen, nachdem einige Großeinleger ihre Bestände abgebaut hatten.

Dass die Volksbank für das Jahr 2016 gleichwohl einen satten Gewinn erwirtschaftet hat, zeigen die Steuerzahlungen im Umfang von 2,06 Millionen Euro. Der ausgewiesene Jahresüberschuss liegt bei 1,57 Millionen Euro. Ein gutes Drittel davon 570.120 Euro – schüttet die Volksbank in Form einer 4,0-prozentigen Basisdividende zuzüglich einer 1,0-prozentigen Bonusdividende an ihre über 27.000 Mitglieder aus. Einen entsprechenden Beschluss fasste die Vertreterversammlung unter Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden Johannes Oeldemann einstimmig. Mit selben Beschluss fließt der verbleibende Anteil vom Gewinn in die Rücklagen. Das bilanzielle Eigenkapital der Volksbank, das damit auf 111,9 Millionen Euro steigt, entspricht damit 10,5 Prozent der Bilanzsumme.

Dass sie mit der Entwicklung und der Lage ihrer Bank rundum zu frieden sind, dokumentierten die Vertreterinnen und Vertreter auf der Versammlung mit ihrem Abstimmungsverhalten. So wurden jeweils einstimmig der Jahresbericht festgestellt sowie Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung erteilt. Einig zeigte sich das „Bankparlament“ auch bei den Wahlen zum Aufsichtsrat. Als langjähriges Mitglied des Aufsichtsrates freute sich Susanne Brämer über ihre Wiederwahl und eine weitere Amtszeit. Als neues Aufsichtsratsmitglied wurde der Marler Unternehmer Martin Jepkens (Geschäftsführer ME Engineering GmbH) gewählt. Dieser tritt die Nachfolge des altersbedingt ausscheidenden August Hermann Rütter an, der 33 Jahre dem Aufsichtsrat der Bank angehörte, davon seit 2005 als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband nahm das Ausscheiden von Herrn Rütter zum Anlass, ihn mit den höchsten Ehren des Verbandes, der Ehrennadel in Gold, auszuzeichnen.