Vertreterversammlung 2013 – Volksbank bleibt auf Erfolgskurs und will sparen

27. Juni 2013

Marl/Recklinghausen. Mehr Regulierung, niedrige Zinsen, harter Wettbewerb: Kilimann bereitet die Vertreterversammlung der Volksbank Marl-Recklinghausen eG auf Herausforderungen der Zukunft vor.

von links August Hermann Rütter (stellv. Aufsichtsratsvorsitzender), Karl-Jürgen Fromme (Aufsichtsrat), Olaf Kilimann (Vorstandsvorsitzender), Susanne Brämer (Aufsichtsrat), Johannes Oeldemann (Aufsichtsratsvorsitzender), Wolfgang Bothe (Aufsichtsrat), Christoph Tesche (Aufsichtsrat), Andreas Geilmann-Ebbert (Mitglied des Vorstands)

Die Volksbank Marl-Recklinghausen eG bleibt trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiter auf Erfolgskurs. Das wurde auf der Vertreterversammlung der Kreditgenossenschaft am 26. Juni 2013 deutlich. Vorstandsvorsitzender Olaf Kilimann präsentierte positive Zahlen, macht aber auch die Herausforderungen der nächsten Jahre deutlich. Dazu zählt – neben den Folgen der Niedrigzinspolitik und zunehmender Regulierung – die Umsetzung von SEPA für mehr Einheitlichkeit im europäischen Zahlungsverkehr: „Bis zum 31. Januar 2014 sind die nationalen Zahlungsverkehrssysteme kraft Gesetz abzuschalten. Banken dürfen sie nicht länger betreiben. Anstelle der Kontonummer und Bankleitzahl treten die IBAN und der BIC.“ Für Firmen und Vereine sei es wichtig, die Umstellungsarbeiten jetzt an zugehen.

Zu Beginn seines Berichts hatte Kilimann festgestellt, dass sich das Geschäftsmodell der Volksbank erneut bewährt hat: „Anders als so mancher Mitbewerber kommen wir weiterhin ohne staatliche Hilfen aus. Und vor allem: Unsere Mitglieder und Kunden vertrauen uns. Das lässt sich auch an den Zahlen festmachen.“ So seien die Einlagen, die die Bürger der Region ihrer Volksbank anvertraut haben, auch im Jahr 2012 gestiegen. „Und wir konnten unsere Kredite an Unternehmen und Selbstständige erneut ausweiten.“

Bestätigung für den erfolgreichen Weg gibt es mittlerweile sogar von ungewohnter Seite, erklärte der Vorstandsvorsitzende: „Es ist plötzlich auch bei den großen Geschäftsbanken wieder chic, sich für das Wirtschaftsgeschehen in der Region zu interessieren, nachdem man jahrelang nur die
große, weite Welt des Investmentbankings spannend fand.“ Nach seinen Erfahrungen würden solche Versprechungen der Wettbewerber aber nur solange halten, bis andere Geschäftsfelder wieder höhere Rendite versprechen.

Die Bilanzsumme der Volksbank Marl-Recklinghausen eG ist im Vergleich zum Vorjahr um 55,5 Millionen Euro gewachsen und erreichte zum Jahreswechsel insgesamt 1,081 Milliarden Euro (plus 5,4 Prozent). „Ursächlich für den Anstieg waren vor allem das Passivgeschäft und die Teilnahme am Offenmarktgeschäft der Deutschen Bundesbank“, so Kilimann.

Die Einlagen wuchsen um 4,7 Prozent auf 795,2 Millionen Euro. „Die Kunden vertrauen uns“, freute sich der Vorstand. Die Menschen könnten den sicheren Hafen von windigen Versprechen einiger Wettbewerber unterscheiden: „Das ermutigt uns, unser Geschäftsmodell der Kundennähe und des
Bekenntnisses zur Region konsequent weiterzuführen.“

Das Kreditvolumen stieg um 2,6 Millionen Euro auf insgesamt 492,1 Millionen Euro. „Träger des Wachstums war vor allem das Firmenkundengeschäft“, sagte der Vorstandsvorsitzende: „Die Bereitschaft der mittelständischen Unternehmen, in die Zukunft ihrer Betriebe und Standorte zu investieren, ist also wieder da – wenn auch etwas verhaltener, als wir es uns wünschen. Diese zarte Pflanze sollte die Politik pflegen und im Wahlkampf nicht mit Füßen treten.“

Während die Erträge im Zahlungsverkehr nahezu konstant blieben, verzeichnete das Wertpapierdienstleistungsgeschäft der Volksbank geringere Erträge. „Bei der Vermittlung von
Versicherungen gehen wir seit dem 1. April dieses Jahres einen neuen Weg und fokussieren uns aus Gründen der nachhaltigen Qualitätssicherung auf die Produkte unseres Verbundpartners R+V Versicherungen“, berichtete Kilimann.

Die Volksbank verfügt über ein bilanzielles Eigenkapital von 81,7 Millionen Euro. Das Genossenschaftsinstitut sei deshalb für die neuen Anforderungen an die Eigenkapitalstrukturen
mehr als gut gerüstet, so der Vorstand: „Anders als so mancher Mitbewerber, der uns heute mit wirtschaftlich völlig überzogenen Kampfkonditionen am Markt das Leben schwer macht. Dieser mit Steuergeld geförderten Wettbewerbsverzerrung muss der Staat endlich einen Riegel vorschieben.“

Wer unter solchen Rahmenbedingungen erfolgreich sein wolle, tue gut daran, seine Aufwendungen für Verwaltung zu begrenzen, sagte Kilimann: „Auch wir beschäftigen uns natürlich

stetig damit, unser Unternehmen effizienter zu machen und uns damit für Sie als Mitglieder und Kunden besser aufzustellen.“ So hat die Volksbank in den letzten Jahren den Kundenservice dort weiter ausgebaut, wo es sinnvoll war. Zum Beispiel wurden neue SB-Geschäftsstellen in Marl
(Victoriastraße/ARAL-Tankstelle sowie Zechenstraße) und in Recklinghausen (Schaumburgstraße/Altstadtmarkt) eingerichtet.

Die Geschäftsstellen in Alt-Marl und am Kurfürstenwall in Recklinghausen wurden modernisiert.
Die Geschäftsstelle Waldsiedlung an der Schwalbenstraße musste nach baulichen Schäden in gemieteten Räumen geschlossen werden. Der Vorstand hofft, sie in diesem Jahr in einem Neubau am Bachackerweg neu zu eröffnen. Vorher werde die Geschäftsstelle in Drewer-Süd auf neuesten
Stand gebracht. Zu einer kundenorientierten Aufstellung gehöre, die eigenen Standorte auf den Prüfstand zu stellen, berichtete Kilimann.

Generell wolle die Volksbank ihre komfortable Ausstattung mit SB-Geräten erhalten. Einzelne SB-Standorte, die sich nicht wirtschaftlich betreiben lassen, werden gegebenenfalls abgebaut: „Wir werden hierbei immer behutsam und mit Augenmaß vorgehen und vor allem die Interessen unserer
Kunden und ihre berechtigten Erwartungen berücksichtigen.“ Der Vorstandsvorsitzende kündigte zudem an, das eigene Online-Angebot ab September 2013 neu aufzustellen.

„Bei der Beratungsqualität und der Qualität und Ausbildung unserer Mitarbeiter werden wir nicht sparen. Und wir werden in Zukunft mit unseren rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren Geschäftsstellen noch stärker daran arbeiten, für Sie als unsere Mitglieder und Kunden präsent zu bleiben und Ihnen weiterhin Top-Beratung und erstklassige Produkte zu guten Konditionen anzubieten“, sagte Kilimann.

Insgesamt zahlte die Volksbank 2,7 Millionen Euro an Steuern. Der verbliebene Jahresüberschuss beträgt damit etwas über vier Millionen Euro. Daraus, so beschloss die Vertreterversammlung, werden die Rücklagen der Kreditgenossenschaft gestärkt. Zudem werden die Mitglieder mit einer Dividende von insgesamt 6 % am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. „Wir möchten Sie angesichts sinkender Ertragserwartungen für die kommenden Jahre aber bereits jetzt darauf vorbereiten, dass die Dividendenzahlung in den nächsten Jahren aus vernünftigen kaufmännischen Erwägungen zurück genommen werden sollte“, so Kilimann.