Positiv gestimmt, aber nicht euphorisch

25. Januar 2013

Marl. Die Bilanzsumme im Plus, die Kreditnachfrage steigt, die Kundeneinlagen ebenfalls: „Die Volksbank Marl-Recklinghausen weist für das Jahr 2012 ordentliche Zahlen aus."

von links Olaf Kilimann (Vorstandsvorsitzender) und Andreas Geilmann-Ebbert (Mitglied des Vorstands)

Volksbank Marl-Recklinghausen legt weiter zu

Zurückhaltend, aber zufrieden – so präsentierte Vorstandsvorsitzender Olaf Kilimann heute die vorläufige Bilanz 2012: Er sei „positiv gestimmt, aber nicht euphorisch“. Das Genossenschaftsinstitut müsse deutlich mehr Geschäft machen, um ähnliche Gewinne wie im Vorjahr zu erzielen.

„Wir stehen in einem sehr harten Wettbewerb mit Finanzkonzernen, die staatlich gestützt werden oder dringend frisches Geld von Kunden brauchen, um überleben zu können“, erläuterte Kilimann: „Das senkt natürlich die Margen. Zugleich steigen die Kosten, denn Politik und Aufsicht verlangen mehr Eigenkapital und sorgen zugleich für mehr bürokratischen Aufwand.“ Trotzdem wolle die Kreditgenossenschaft ihre Mitglieder am wirtschaftlichen Erfolg angemessen beteiligen und eine Dividende von sechs Prozent zahlen.

Kritische Töne fand der Vorstandsvorsitzende für die aktuelle Finanzmarktpolitik. Immer noch würden regionale Institute wie die Volksbank mit gleichen Vorgaben konfrontiert wie die Großbanken: „Mit unserer Mannschaft von 260 Mitarbeitern sind wir aber ganz anders unterwegs: näher dran an unseren Kunden, bodenständig, risikobewusst. Wir machen die Geschäfte, die wir können, mit den Menschen, die wir kennen. Ganz einfach.“ Und offenbar erfolgreich: „Wir haben bei den Kundeneinlagen um vier Prozent zugelegt und notieren hier jetzt 855 Millionen Euro.“ Weiterhin stark gefragt: kurzfristige und damit flexible Möglichkeiten sowie Termingelder mit der Chance auf höhere Zinsen als auf dem Tagesgeldkonto.

Um ein Prozent gewachsen ist die Kreditgenossenschaft bei den Kundenforderungen: „Insgesamt stellen wir aktuell unseren Mitgliedern und Kunden 494 Millionen Euro zur Verfügung“, so der Vorstandsvorsitzende. Vor allem private Immobilien wurden mit diesem Geld finanziert: 61,8 Millionen Euro erreichte das Neugeschäft in 2012 bei den Baufinanzierungen. Auch der heimische Mittelstand fordert verstärkt Investitionsmittel an. Insgesamt wurden 80,5 Millionen Euro an neuen Krediten vergeben: „Wir kommen unserer Verantwortung als Finanzierungspartner der mittelständischen Wirtschaft engagiert nach“, sagte Kilimann und stellte eine Tendenz zur Entschuldung fest: „Wir würden gerne noch mehr solide Zukunftsprojekte finanzieren.“

Positiv wirkt sich dieses Mehr an Kundengeschäft aber bereits zu Jahresbeginn auf die Bilanzsumme aus. Sie weist ein Plus von 5,5 Prozent auf und lag zum Jahreswechsel bei 1,082 Milliarden Euro. Sie ist damit, wie die bilanzwirksamen Kredite und Einlagen, weiter auf Wachstumskurs.

Im Verbundgeschäft gab es recht unterschiedliche Entwicklungen in den lokalen Märkten. Zwar legte der Wert der kundeneigenen Aktien- und Union-Fonds-Depots marktbedingt um acht Prozent auf 230 Millionen Euro zu. Die addierten Guthaben der Kunden bei der R+V-Versicherung, der Bausparkasse Schwäbisch Hall und der WGZ BANK Vermögensverwaltung sanken jedoch um fast drei Prozent auf 69 Millionen Euro. „Etliche Anleger haben einen Teil ihres Geldes in Immobilien investiert“, erläuterte Kilimann: „Keine schlechte Strategie in diesen Zeiten.“

1.319 Bausparverträge wurden in 2012 abgeschlossen (plus 2,3 Prozent). Die gezeichnete Summe sank um 3,3 Prozent auf 31,9 Millionen Euro: „Ein klarer Trend zu Wohn-Riester ist erkennbar – das bedeutet mehr Verträge mit geringerem Volumen“, analysierte der Vorstandsvorsitzende.

Bei den Lebensversicherungen stieg die Abschlusszahl um zehn Prozent auf 639, die Versicherungssummen sogar um 17,3 Prozent auf jetzt 12,9 Millionen Euro. Hier sah Kilimann die Einführung der Unisex-Tarife als Sonderfaktor.

Das gesamte betreute Vermögen der Volksbank-Kunden wuchs in 2012 um 4,8 Prozent auf 1,153 Milliarden Euro. Da weniger Finanzierungen an Verbundpartner vermittelt wurden, blieb zum Stichtag 31. Dezember 2012 das Volumen der betreuten Kredite mit 643 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Das betreute Kundenvolumen insgesamt stieg um 2,6 Prozent auf 1,796 Milliarden Euro.

Weitere Fakten aus dem Geschäftsjahr 2012

Geschäftsstellen incl. Hauptstelle 12
Kunden 63.000
Konten 145.000
Mitglieder 29.000
Mitarbeiter 260
Geldautomaten 34
Geldautomaten-Auszahlungen

1,2 Mio. Stück

200 Mio. Euro

Geldautomaten-Einzahlungen

62.000 Stück

50 Mio. Euro

Buchungsposten 12 Mio.
VR-BankCards 45.000
Kreditkarten 6.000